stadt.labor
  Veranstaltungen
  Fette-Mieten-Partys
  Streetart-Wettbewerb
  Hintergrund
  Archiv

 

 

 

 

 

STADT-WOHNEN
ist ein Portal für kritische wohn- und stadtpolitische Debatten. Die Seite gibt Alternativen und Hinter- gründe zu Wohnungsnot, Mietzinsproblematik und Stadtentwicklung. Im Archiv findet sich eine breite Palette von Texten und Analysen zum Thema.

 


KONTAKT:
stadt.labor
Postfach 2465
8026 Zürich
PC 87-727882-5
alles@stadtlabor.ch


 


 

Design Your City - Streetart-Wettbewerb


Im Rahmen eines Wettbewerb suchten das stadt.labor und die Rote Fabrik Streetart-Werke im Kanton Zürich, die für eine offene Stadt einstehen. Während der rund 3-monatigen Wettbewerbsdauer sind mehr als 50 Beiträge eingereicht worden, wovon fünf Streetart-KünstlerInnen prämiert wurden (Bericht und Gewinner siehe weiter unten!). Die Streetart-Werke werden vom 27. Mai bis zum 26. Juni 2008 im Ziegel oh Lac der Roten Fabrik ausgestellt.

Galerie mit eingereichten Beiträgen
Bericht der Jury und Gewinner als PDF
Interview zum Wettbewerb, PS Nr. 23, 12.6.2008 (PDF)
Ausschreibung


BERICHT DER JURY - EINLEITUNG

Streetart gehört seit Jahrzehnten genauso selbstverständlich zum Stadtbild von Zürich wie das Grossmünster, die Plakatwerbung und die Baustellen. Trotz der Rehabilitierung von Harald Nägeli und einem allseits gewünschten Hauch Weltstadtflair bezeugt die Politik nach wie vor grosse Mühe, sich differenzierter mit diesem Thema auseinander zu setzen. Der allgemeine Tenor lautet immer noch: Unbewilligte Kunst im öffentlichen Raum ist eine Sachbeschädigung.

Wir, die Mitglieder der Jury, freuen uns deshalb ausserordentlich, dass das stadt.labor diesen Wettbewerb ins Leben gerufen hat. Wir werden uns dafür einsetzen, dass er eine Fortsetzung finden wird; verbunden mit dem Hoffnung, dass dadurch endlich eine Diskussion über die unterschiedlichsten Qualitäten von Streetart angestossen wird.

Trotz tiefem Preisgeld wurden sehr viele Arbeiten eingereicht (mehr als 50). Sie zeigen einen interessanten Überblick über das vielseitige Wirken der «Strassenkünstler». Der öffentliche Raum als Ausstellungsort wird in den unterschiedlichsten Techniken be- und verarbeitet. Die Eingriffe sind zum Teil sehr aufwendig hergestellt oder ganz minimal; gewisse Arbeiten sind zurückhaltend poetisch inszeniert und andere wieder plakativ und provokativ. Und, was uns am meisten überraschte: Das Niveau ist überraschend hoch. Man erhält dabei jedoch beinahe den Eindruck, dass die kreativsten Kunstbeiträge im öffentlichen Raum am schnellsten entfernt werden. Dazu ein kleines Beispiel einer der vielen Arbeiten, die wir sehr gut fanden, jedoch leider nicht auch noch auszeichnen konnten: Unter dem Titel «Engelstrasse» reichte der Künstler mit dem Pseudonym «Gassenliterat» eine Arbeit ein, die er folgendermassen beschreibt: «An der Ecke Engelstrasse/Anwandstrasse hingen während einem Jahr leere Werbetafeln. Da beschloss ich, eine Werbung am, vom und über den Ort reinzuhängen. Die Texte stehen alle in Verbindung zu etwas, das mit dieser Strassenecke zu tun hat (z.B. Auszug aus den Memoiren von Regula Engel-Egli, der Namenspatronin der Engelstrasse). Nach einer guten Woche waren die City Lights-Werbeflächen wieder leer. Und sind es heute noch.»

Eine kreative Auseinandersetzung mit dem eigenen Stadtraum, selbstständig und ungefragt ausgeführt, wird - wie der obige Fall exemplarisch aufzeigt - in Zürich umgehend unterbunden. Es ist an der Zeit, das Bewusstsein für die Qualität von künstlerischen Eingriffen im Stadtraum zu schärfen und die politischen Statements als «freie Meinungsäusserung» anzuerkennen.

Esther Eppstein (Message Salon)
Philipp Meier (Cabaret Voltaire)
Sønke Gau (Shedhalle)
Till vom Windowzoo Kollektiv (www.windowzoo.com)



BERICHT DER JURY - PREISE

1. Preis 1000.-

R(anständig)

Big Scary Monsters



Viele schöne Wanderwege gibt es durch unsere Stadt, die gelben Wegweiser führen uns Wandervögel durch die Quartiere oder dem See entlang. Schon wollen wir beschwingt dem nächsten gelben Wegweiser folgen, da müssen wir doch zweimal schauen. «Wegweisung §33» steht da. Kurze Irritation, sind wir gemeint? Und, dieser Paragraf 33, war da nicht was mit einem Polizeigesetz? Ja, da war doch erst grad kürzlich eine Abstimmung ...
Die Arbeit R(anständig) der Gruppe Big Scary Monsters fällt durch ihre subtile Art auf. Wir sind angehalten kurz nachzudenken. Ist es hier vielleicht so gepflegt, weil das kleine Alkigrüppli, das manchmal an diesem Ort ein paar Biere kippt, soeben per Wegweisung ferngehalten wird?
Die Wegweiser von Big Scary Monsters lassen uns daran erinnern, dass ein gesellschaftliches Problem wie Obdachlosigkeit oder Verwahrlosung nicht mit Verdrängung aus der Welt zu schaffen ist, ebensowenig die Frage, wem der öffentliche Raum gehört und ob neben seiner kommerziellen Nutzung durch Werbung, Megaevent, Teddybären-Invasion und Uefa-Massenbesäufnis in Little Big City nicht auch schräge Käuze, lustige Künstlerinnen, trommelnde Stadtindianer, Skaters oder Punks Platz haben sollten.

Übrigens: Das kantonale Polizeigesetz wurde im Februar 2008 von 75% der Stimmenden, bei einer Stimmbeteiligung von 37% angenommen.



WEITERE PREISE À 500.-

Diverse Beiträge

Divan



Die Beiträge, die unter dem Namen «Divan» eingereicht wurden, wurden von der Jury als ein Gesamtbeitrag bewertet und ausgezeichnet. Die Arbeiten «Schneeauto» (März 2006), «Strassenfussball» (Mai 2007), «Klatschsofas» (Mai 2007), «Transi(t)or» (April 2007) und «Schneeauto» (März 2006) zeichnen sich durch einen äusserst kreativen Umgang mit auf der Strasse vorgefundenen Materialien aus. Sie zeigen beispielhaft, dass selbst in einer (über-)sauberen und aufgeräumten Stadt wie Zürich, das Wenige was rum liegt genutzt werden kann, um temporäre künstlerische Interventionen durchzuführen.
Zusätzlich zu den «skulpturalen» Qualitäten verweisen die Projekte jeweils «augenzwinkernd» auf gesellschaftsrelevante Themen: Wie zum Beispiel auf die Frage nach der Trennung von privaten und so genannten «öffentlichen» Raum, wenn aus Altpapier, dass aus den Wohnungen zur Sammlung vor die Tür gestellt wird, ein gemütliches Sofa erstellt wurde oder wenn das «Schneeauto» einen Parkplatz über den Zeitraum von zehn Tagen beanspruchte und wie Divan in seiner/ihrer Einreichung schreibt: «Überrascht und zugleich aufgefordert über Toleranz nachzudenken, zeigte sich die Polizei, die das Schneeauto begutachtete. Ich hatte nämlich extra für sie eine Parkbusse auf das Schneeauto angebracht.»


Der gierige Pfau
TIKA



Ob als Roller-Tag an der Autobahnausfahrt an der Stadtgrenze oder als filigraner Paste-Up mitten in der City ist TIKA ein Künstler, der mit seinem Style seit Jahren die Streetart von Zürich prägt. Die Vielfalt seines Schaffens mit seinen Tags, Throw-Ups, Paste-Ups, Stickers, Pieces, Installationen und Kollaborationen mit anderen Künstlern machen TIKA zu einem Namen der für Farbe in der ganzen Stadt sorgt, so dass sein Style weit über die Grenzen von Zürich bis nach New York, Wien, Berlin und Rio bekannt ist und geliebt wird.


«Nur Christen»
Mommy Fortuna's Manticor



Vielerorts in der Schweiz sind die Sitzbänke mit «Verkehrs- und Verschönerungsverein XY» angeschrieben. Die Gruppe «Mommy Fortuna's Manticore» griff diese Tradition auf, vermischte sie jedoch mit der öffentlichen Ausgrenzung nationalkonservativsten Regierungssystemen wie z.B. dem Apartheidsregime von Südafrika. Was hier einladend wirken soll, grenzt dort ganz klar aus. Dadurch sind wir hier in der Schweiz jedoch noch lange nicht aus der Verantwortung entlassen. Denn, und das macht die Arbeit «Nur Christen» sehr plakativ sichtbar, auch bei uns gibt es, oft nur sehr subtile, Ausgrenzung. Der öffentliche Raum darf vielerorts nur einseitig genutzt werden und wir kennen die diversesten Parallelgesellschaften, die mal mehr und mal weniger durchlässig sind.
Die Intervention von «Mommy Fortuna's Manticore» zeigte zu guter Letzt auch auf, dass solche Arbeiten nicht nur die politischen Verwaltungen intellektuell überfordern, sondern oft auch die journalistische Rezeption zu wünschen übrig lässt.



WÜRDIGUNG

«schattenwurf» (ausser Konkurrenz, freiwilliger Verzicht)

I



«Schöns Züri» - das ist der «Buff» unserer Stadt. Schöns Züri ist die Graffiti-Entfernungs Institution der Stadt Zürich. Hauseigentümer können sich bei der Stadt ein Anti-Graffiti Abo lösen und werden dann von Angestellten von «Schöns Züri» besucht. Dabei werden Sticker entfernt, Tags und Pieces mit neutraler Farbe übermalen und die «schöne» Stadt wieder hergestellt. Um dieser Entfernung zuvorzukommen, begannen die Zürcher-Crews in der Langstrassen-Unterführung sogar mit neutralen Buff-Farben zu Taggen. Eine der neueren und witzigeren Auseinandersetzungen damit ist «schattenwurf» - hier werden die Buff-Polygone von «Schöns Züri» mit einem Schatten poetisch und hinterfragend erweitert, so dass das Spiel von neuem Beginnen kann!

 

 

Webmaster: alles@stadtlabor.ch