Die Veranstaltungswochen Città chiusa
Wohn- und stadtpolitische Debatten haben in der Roten Fabrik lange Tradition.
Immer wieder in den letzten 20 Jahren waren Wohnen, Leben und Stadtentwicklung
in Zürich Gegenstand von Veranstaltungen in der Roten Fabrik. 1988 zum
Beispiel thematisierten zwei Aktionswochen unter dem Titel «Città frontale»
die verschärfte Situation auf dem Zürcher Wohnungsmarkt. In diesem Zusammenhang
schrieben die Organisator/innen: «Längst platzt die City aus allen Nähten,
neue Cityzonen müssen her, in den ausufernden Agglomeration von Zürich Nord,
in den zerfallenden Industriegebieten des Limmattals und des Kreis 5, in den
innerstädtischen Wohnquartieren. (...) Und die Bodenpreisspirale dreht sich
weiter im munteren Spiel der Marktkräfte. Wer nicht mitbieten kann muss raus,
freiwillig oder mit Gewalt, in die Grünzonen der Privilegierten, in die
Grauzone die Anderen.» (Fabrik-Zeitung Nr. 45, September 1988). Erstaunlich,
wie aktuell dieser mehr als zehn Jahre alte Text heute noch ist.
In Anbetracht der aktuellen Wohnungspolitik der Stadt, die dem Schutz von
preiswertem Wohnraum nur wenig Beachtung zumisst, entstand im Frühjahr 2000
die Idee, wiederum eine grosse Veranstaltungsreihe zur Mietzinsthematik zu
organisieren. Unterstützt wurde dies durch die Umstrukturierung in der
Roten Fabrik, so dass bisher aussenstehende Gruppierungen näher eingebunden
werden und das Programm mitgestalten können. Città chiusa - zu deutsch
geschlossene Stadt - war geboren. Ziel der Veranstaltung ist es, weite
Teile der Bevölkerung und Politik darauf aufmerksam zu machen, dass in
Zürich immer mehr günstiger Wohnraum verschwindet und damit für einen
Teil der Bevölkerung ein Verbleib in Zürich fraglich wird.
«Wer kann sich Zürich noch leisten» ist die Frage, welcher zwischen
dem 16. und 29. September 2002 mit unterschiedlichen Veranstaltungen
nachgegangen wird. Bis heute fest im Programm sind eine mobile Ausstellung,
je ein Podium zu Stadtentwicklung und Mietzinsnot, mehrere Stadtrundgänge,
je ein Filmabend im Bogen 13 und der Roten Fabrik und eine Demonstration.
Geplant sind zudem weitere Veranstaltungen von Mietergruppen,
Gewerkschaften, Aktionen aus dem Kunstbereich usw. Etwa die Hälfte
der Aktivitäten wird von der Roten Fabrik organisiert, während der
andere Teil direkt von den anderen Gruppierungen getragen wird.
Thomas Stahel
Koordination Città chiusa
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