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STADT-WOHNEN
ist ein Portal für kritische wohn- und stadtpolitische Debatten. Die Seite gibt Alternativen und Hinter- gründe zu Wohnungsnot, Mietzinsproblematik und Stadtentwicklung. Im Archiv findet sich eine breite Palette von Texten und Analysen zum Thema.

 


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Preiswerter Wohnraum in Zürich - ein kostbares Gut

Wohnraum wird in der Stadt Zürich immer mehr zum Luxusgut. Während sich gutverdienende Haushalte immer mehr Fläche leisten können, finden andere kaum mehr eine zahlbare Wohnung. Während einkommensstarke Doppelverdiener/innen ins Zentrum ziehen, werden immer mehr Haushalte mit kleinerem Einkommen an den Stadtrand oder aus der Stadt hinaus gedrängt und aus ihren sozialen Zusammenhängen und Netzen gerissen.

Die aktuelle stadträtliche Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik, wie sie unter dem Schlagwort «10'000 Wohnungen in 10 Jahren» vorangetrieben wird, fördert und akzentuiert diese Entwicklung. Der Mieterinnen- und Mieterverband anerkennt durchaus das Ziel einer angemessenen sozialen Durchmischung, vertritt jedoch klar die Meinung, dass es nicht Aufgabe von Stadt und Baugenossenschaften ist, Wohnraum für Mittel- und Besserverdienende bereitzustellen; dafür ist der private Markt da, der dieses Angebot auch produziert.

Deshalb verlangen die unterzeichenden Organisationen des «Manifests zum Schutz von preiswertem Wohnraum in Zürich» von Stadt- und Gemeinderat, sich nicht nur um den Zuzug von steuerkräftigen Einwohner/innen zu bemühen, sondern dafür zu sorgen, dass ein genügendes Angebot an preisgünstigen Wohnungen erhalten bleibt resp. Rahmenbedingungen geschaffen werden, die deren Bau ermöglichen.

Im Zentrum stehen drei Hauptforderungen:
1. Mieter/innen von städtischen Liegenschaften sollen bei Sanierungen angehört werden, wann und in welchem Umfang renoviert wird. Für Erneuerungsvorhaben sind Kostendächer festzulegen, die massvolle Mietaufschläge ermöglichen. Sanierungsvarianten sollen jeweils im Hinblick auf ihre sozialen Auswirkungen evaluiert werden. Kostengünstige Alternativen zur Schaffung von grösseren Wohnungen sind zu prüfen (z.B. Anbauten statt Wohnungszusammenlegungen). Erfahrungen privater und gemeinnütziger Bauherren zeigen, dass auch nachhaltige und oekologische Sanierungen von Liegenschaften aus den 50er- und 60er- Jahren mit weit weniger Aufwand - und entsprechend geringeren Mietzinsaufschlägen - möglich sind als bei aktuellen städtischen Vorhaben. Es ist für den MV nicht nachvollziehbar, warum private und gemeinnützige Bauherren umfassende Erneuerungsvorhaben mit Kosten zwischen Fr. 70'000.- und 130'000.- pro Wohnung realisieren können, bei der Stadt aber rasch Kosten bis zu Fr. 200'000.- pro Wohnung anfallen (wie etwa bei der umstrittenen Riedtli-Sanierung).

2. Der MV begrüsst die Absicht des Stadtrats, weiterhin eine aktive städtische Wohnbaupolitik zu betreiben. Wir verlangen jedoch, dass wieder Familienwohnungen gebaut werden, die deutlich unter 2000 Franken Miete pro Monat liegen. Die Abgabe von städtischem Land im Baurecht soll an die Bedingung geknüpft werden, dass preisgünstige Wohnungen erstellt werden. Die Ausstellung «Stand der Dinge Ð Neustes Wohnen in Zürich» hat gezeigt, dass dies nach wie vor möglich ist, jedoch viel zu selten realisiert wird. Ein abschreckendes Beispiel ist der geplante Neubau der Baugenossenschaft Rotach an der Paul-Clairmont-Strasse, wo trotz günstigem städtischem Baurechtsland 4-Zimmerwohnungen für Fr. 2'400.- bis 2'800.- und 5-Zimmerwohnungen für Fr. 2'800.- bis 3'300.- vorgesehen sind. Sozialpolitisch schockierend ist auch die Neubaupolitik der - immer noch gemeinnützigen, aber neuerding unter dem Schicki-Micki-Logo «Better Living» firmierenden - Baugenossenschaft Milchbuck, die auf Herbst 2003 in Zürich-Affoltern 4 -Zimmerwohnungen für Fr. 3'700.- und 5 -Zimmerwohnungen für Fr. 4'150.- anbietet. Dass es auch anders geht, zeigt die per 1. Oktober 2002 bezugsbereite Wohnüberbauung «Seebach Kolonie 7» der Gemeinnützigen Bau- und Mietergenossenschaft mit 4-Zimmerwohnungen für Fr. 1'600.- und 5-Zimmerwohnungen für Fr. 1'800.-; hier sind auch Reiheneinfamilienhäuser für weniger als Fr. 2'500.- zu haben. In der neuerstellten städtischen Ueberbauung Stiglenstrasse kosten 4 Zimmer Fr. 1'780.- bis 1'870.-.

3. Die Stadt soll sich dafür einsetzen, dass bei der Umnutzung von Industriebrachen möglichst hohe Wohnanteile realisiert werden. In der heute so verpönten Aera Koch wurde in der Regel ein Mix von mindestens 40% Wohnen und 60% Nicht-Wohnen angestrebt. Ein positives Beispiel dafür ist etwa das Zentrum Zürich-Nord, das sich auch durch eine grosszügige Freiraumgestaltung mit attraktiven Parks auszeichnet. In der Aera Ledergerber sind wir - z.B. in den planerischen Vorgaben für die Umzonungsgebiete von Zürich West - bei 10-20% Wohnanteil gelandet und die Freiräume sind zu Briefmarken-Pärkchen verkommen.



Niklaus Scherr
Geschäftsleiter Mieterinnen- und Mieterverband Zürich

Manifest zum Schutz von preiswertem Wohnraum in Zürich

 

 

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