Pressekonferenz vom 25. April 2002
ReferentInnen:
[ Einleitung und Präsentation
der Veranstaltungsowchen Città chiusa
]
Thomas Stahel, Koordination Città chiusa
[ Mietzinsproblematik in Zürich
]
Jakob Hauri, GBI Region Zürich
[ Manifest zum Schutz von preiswertem Wohnraum in
Zürich
]
Niklaus Scherr, Geschäftsleiter Mieterinnen- und Mieterverband
Zürich
[ Neues Internetportal www.stadt-wohnen.ch
]
Iris Vollenweider, Verein Viereck
PRESSEMITTEILUNG
Breites Bündnis thematisiert die Mietzinsproblematik in Zürich
Zürich, 25. April 2002. An einer Medienkonferenz stellt ein
Zusammenschluss von wohn- und stadtpolitischen Gruppierungen ein
«Manifest zum Schutz von preiswertem Wohnraum in Zürich» vor und
verweist auf zwei Veranstaltungswochen Città chiusa im nächsten
Herbst.
Im September dieses Jahres finden unter dem Namen «Città chiusa -
geschlossene Stadt» zwei Veranstaltungswochen zur Wohn- und Mietzinsproblematik
in Zürich statt. Città chiusa ist eine Zusammenarbeit der Roten Fabrik
mit diversen anderen Organisationen so zum Beispiel den Gewerkschaften GBI, VPOD
und Gewerkschaftsbund, dem Mieterverband, zahlreichen Genossenschaften und
quartierpolitischen Gruppierungen.
An der Pressekonferenz vom 25. April 2002 trat das breite Bündnis ein erstes
Mal an die Medien. Thomas Stahel, der die Veranstaltungswochen Città chiusa
koordiniert, verwies darauf, dass sich die Rote Fabrik seit ihrem Bestehen schon
mehrfach mit Inhalten wie Stadt und Wohnen auseinander setzte. Zwischen dem 16.
und 29. September 2002 wird die Mietzinsnot im Rahmen der Veranstaltungswochen
Città chiusa thematisiert u.a. mit einer mobilen Ausstellung, mehreren Podien,
Stadtrundgängen, Filmabenden, künstlerischen Aktionen und einer
Demonstration.
Hintergrund für die Veranstaltung ist die sich in Zürich zusehends
verschärfende Mietzinsproblematik. Wohnraum wird in Zürich immer mehr zum
Luxusgut. Wie Jakob Hauri vom GBI Sektion Zürich darlegte, sind die Mietzinse
im Zeitraum von 1989 bis heute im Vergleich zur Teuerung um mehr als 20 Prozent
stärker gestiegen, obwohl der Hypothekarzins seit 1992 stark abgenommen hat.
Infolge dieser Entwicklung werden immer mehr Haushalte mit kleineren Einkommen
an den Stadtrand oder weg von Zürich gedrängt und aus ihren sozialen
Zusammenhängen und Netzen gerissen. Während Gutverdienende immer mehr
Fläche leisten können, finden andere kaum mehr eine zahlbare Wohnung.
Das an der Medienkonferenz vorgestellte «Manifest zum Schutz von
preiswertem Wohnraum in Zürich» ist eine direkte Antwort auf diese
sich zuspitzende Problematik. Es geht auf die gegenwärtige Situation auf
dem Wohnungsmarkt ein und formuliert fünf alternative Vorschläge wie die
gegenwärtige Situation entschärft werden kann; es wird von mehr als
30 Organisationen unterstützt. Niklaus Scherr vom Zürcher Mieterinnen-
und Mieterverband betonte, dass es nicht Aufgabe von Stadt und
Baugenossenschaften sei, Wohnraum für Mittel- und Besserverdienende bereitzustellen.
So fordert das Manifest, dass bei städtischen Erneuerungsvorhaben
Kostendächer festgelegt werden, die massvolle Mietaufschläge
ermöglichen, und dass Sanierungsvarianten im Hinblick auf ihre sozialen
Auswirkungen überprüft werden. Beim Neubau sollen sich Stadt und
Baugenossenschaften auf den durchaus möglichen Bau von Familienwohnungen
unter 2000 Franken Monatsmiete konzentrieren, die Abgabe von städtischem Land
im Baurecht soll an die Bedingung geknüpft werden, dass preisgünstige
Wohnungen erstellt werden. Als Negativbeispiel erwähnte Scherr einen geplanten
Baurechtsvertrag mit der Baugenossenschaft Rotach mit 4 1/2-Zimmer-Wohnungen für
2800 Franken. Damit genug Raum für das Wohnen bleibt, soll sich die Stadt - so
eine dritte Forderung des Manifests - bei der Umnutzung von Industriebrachen für
möglichst hohe Wohnanteile einsetzen; hier sei es in der Aera Ledergerber
zu einem klaren Rückschritt gekommen.
Iris Vollenweider vom Verein Viereck verwies zum Schluss auf die Internetseite
www.stadt-wohnen.ch. Auf www.stadt-wohnen.ch soll bis zu Beginn der
Veranstaltungswochen im September ein Internetportal zu den Themen Stadtentwicklung
und Wohnungspolitik konzipiert werden. Neben aktuellen Ereignissen,
Hinweisen zu Città chiusa und einem sich im Aufbau befindenden
Archiv soll Gruppierungen wie dem Verein Viereck die Möglichkeit geboten
werden, ihre Anliegen zu veröffentlichen. Der Verein Viereck setzt sich
seit letztem Herbst aktiv für die Erhaltung und sanfte Ergänzung des
Häusergevierts Badener-, Ankerstrasse, Grün-, Wyssgasse ein. Die ZKB
verkaufte diese Liegenschaften Ende 2000 dem St. Galler Architekten Andreas Eberle,
welcher eine gesichtslose Renditeüberbauung realisieren will.
Sein erstes Baugesuch fiel bei der Bausektion Zürich durch.
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