Città chiusa
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STADT-WOHNEN
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Viel Presse, wenig Bewegung

Die von der Roten Fabrik organisierten und von zahlreichen Gruppierungen unterstützten Aktionswochen Città chiusa haben viel Öffentlichkeit erlangt, aber auch Grenzen aufgezeigt. Eine Bilanz.

Gerade mal 500 Personen kamen an die Abschlussdemonstration der Veranstaltungswochen Città chiusa. Es ist nicht abzustreiten, dass viele über den bescheidenen Aufmarsch enttäuscht waren. An das party-orientierte und mehr oder weniger unpolitische «Reclaim the Street» (vgl. .RF Nr. 7) kamen mehr als doppelt so viele Leute; und dies obwohl die Wohnungs- und Mietzinsnot zur Zeit einen weiteren Höhepunkt erreicht hat. Man darf sich insofern fragen, ob man mit einer «zeitgemässeren» Kundgebungsform mehr Leute angesprochen hätte?
Gleichwohl waren die Demo und Città chiusa als ganzes ein grosser Erfolg. Die Wirkung der Demo darf nicht nur an der Zahl der Teilnehmenden gemessen werden; genauso wichtig war, dass die Stimmung am Umzug durchwegs als sehr lebendig empfunden wurde und die Demo von den PassantInnen sehr positiv aufgenommen wurde, nicht zuletzt da diese über das Mikrofon immer wieder informiert wurden.
Ohne Zweifel ist es den VeranstalterInnen von Città chiusa gelungen die Wohnproblematik zum Thema zu machen. Die Medien haben breit über die «geschlossene Stadt» berichtet - und dies in einem Einvernehmen, dass es schon fast ein wenig zuviel des guten war. Ausser für einige Unentwegte scheint es unbestritten, dass in Zürich über den Wohnungsmarkt ein gnadenloser Verdrängungsprozess vonstatten geht.
Die Organisation einer unabhängigen Veranstaltungsreihe stiess aber trotz der gegenwärtig grossen Aktualität der Wohnthematik an ihre Grenzen. Die Massenmedien scheinen nach wie vor Konfrontationen den Diskussionen vorzuziehen. Als im letzten Frühling ein paar Eier gegen Ledergerber flogen, führte dies im Tages Anzeiger und der NZZ zu einer Flut von Artikeln; im Vorfeld von Città chisua fand sich weder im Tagi noch der NZZ ein einziger Artikel über die Inhalte der Veranstaltungswochen.
Was im Rahmen von Città chiusa eindeutig fehlte, waren provokative und visionäre Aktionen. Den OrganisatorInnen fehlten die Ressourcen, von Seiten der HausbesetzerInnen und der ausserparlamentarischen Linken kamen wenige Impulse. So liefen die Diskussionen sehr stark auf einer realpolitischen Ebene. Nicht desto trotz gelang es politischen Druck auszuüben. Nachdem das Legislaturziel der «10'000 Wohnungen in zehn Jahren» bisher trotz Kritik nie zur Diskussion stand, ist es wohl kein Zufall, dass der Stadtrat mit seinem neuen Programm «Wohnen für alle» etwa eine Woche vor Beginn der ersten Veranstaltungen an die Presse trat. Trotz diesen ersten, minimalen Zugeständnissen entstand an den zwei Podien mit VertreterInnen der Stadt der Eindruck, dem Stadtrat fehle jegliches soziale und politische Engagement. So wurden entweder statistisch belegbare Tendenzen bestritten (Ledergerber: «Zürich ist keine Città chiusa») oder der Schwarze Peter von einer Gruppe zur anderen verschoben (Martelli: «Die Alten werden vor allem von den Jungen vertrieben»). In dieser Hinsicht müssen sich die VeranstalterInnen hinterfragen: War es sinnvoll, PolitikerInnen wie Stadtpräsident Ledergeber überhaupt eine Stimme zu geben? Und wieso fehlten Visionen für eine andere Stadt? An einer ersten Nachbereitung war dann auch ein Fazit, dass man sich in Zukunft weniger an der Realpolitik orientieren wollen, dafür frecher, provokativer und analytischer agieren müsse. Mit einer neu gegründeten Stadtentwicklungsgruppe wird dieses Ziel in den nächsten Monaten verfolgt. Città chiusa war ein guter Anfang, die Arbeit geht weiter.


.RF - die Zeitung aus der Roten Fabrik, November 2002

 

 

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