Interview mit einem Organisator
Die Veranstaltungsreihe Città chiusa ist zu Ende. Welche Bilanz ziehst du aus Sicht der Veranstalter?
Im grossen und ganzen sind wir zufrieden. Vor allem das Medienecho war gross und zumeist positiv. Es ist uns gelungen, die Problematik der verschlossenen Stadt breit zu thematisieren. Natürlich gibt es auch Punkte, mit denen wir nicht so zufrieden sind. Einzelne Veranstaltungen waren eher flau und zu stark realpolitisch orientiert; es fehlten Visionen für eine andere Stadt.
Die Beteiligung an der Abschluss-Kundgebung blieb zweifellos unter den Erwartungen. Welche Schlüsse muss man in Bezug auf die Mobilisierungsfähigkeit des Themas Wohnungsnot ziehen?
Trotz der äusserst prekären Situation auf dem Wohnungsmarkt lassen sich anscheinend nicht grosse Massen für eine Wohnungs-Demonstration mobilisieren. Dafür gibt es mehrere Erklärungen: allgemein ist das Wohnen im Laufe der Zeit stark privatisiert worden. Wer eine günstige Wohnung hat, geht kaum auf die Strasse. Aber auch diejenigen Menschen, welche unter der Città chiusa am stärksten leiden - AusländerInnen, Alleinerziehendem, usw. - , sind kaum zu mobilisieren. Weiter fehlt im Gegensatz zu den späten 80er und frühen 90er Jahren eine eigentliche Wohnungsnotbewegung. Wenn während vielen Jahren keine Demo zur Wohnproblematik stattfindet, kann nicht erwartet werden, dass auf einmal Tausende auf die Strasse gehen.
Wie geht es mit dem Thema Wohnpolitik weiter?
Es ist für uns alle klar, dass Città chiusa nur ein Anfang sein kann. An einer Nachbereitung hat sich hat sich bereits eine neue Gruppe gebildet, die sich der Stadtentwicklung und Wohnproblematik widmet. Dabei sollen einerseits Analysen und Alternativen formuliert werden, andererseits Aktionen durchgeführt werden.
Mieten und Wohnen, November 2002
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