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STADT-WOHNEN
ist ein Portal für kritische wohn- und stadtpolitische Debatten. Die Seite gibt Alternativen und Hinter- gründe zu Wohnungsnot, Mietzinsproblematik und Stadtentwicklung. Im Archiv findet sich eine breite Palette von Texten und Analysen zum Thema.

 


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Stellungnahmen zur Bedeutung des Vierecks



«Eine gute Stadt braucht gute Bauherren. Gute Bauherren haben Weitsicht und Witz, an der Stadt zu bauen, weil das auch ihren Lebenszweck, mit Bauen Geld verdienen, stützt. Das Projekt im Viereck ist weder witzig noch weitsichtig, sondern gesichtslos, lau und gierig auf schnelle Kasse aus. Weil die gute Stadt gute Bauherren braucht, muss sie diese herstellen. Mit zureden und überzeugen, und wenn das nicht geht mit rechtlich griffigen Leitplanken. Sie muss überall, aber vor allem bei derart wichtigen Orten wie dem Viereck, soziale und urbanistische Qualität verlangen. Günstigen Wohnraum, aber auch schönen städtischen Lebens-, Wohn- und Arbeitsraum.»
Köbi Gantenbein, Chefredaktor Hochparterre


«Die Stadt hat sich mit der neuen BZO ziemlich bewusst dafür entschieden, in Gebieten wie dem Viereck tiefgreifende Strukturveränderungen zu ermöglichen und sogar zu fördern. Dass dies unter dem Titel 'Quartiererhaltungszone' erfolgte, ist irreführend. Das Gewirr von kleinen Häuschen schien den Planerinnen nicht erhaltenswürdig. Ein eigentliches Stadtentwicklungskonzept mit formulierten wirtschaftlichen, sozialen und verkehrsbezogenen Entwick lungszielen gab es damals noch weniger als heute. Man wollte vielmehr Ordnung schaffen und bauliche Erneuerung ermutigen. Das Eberle-Projekt nützt die von der BZO gegebenen Spielräume aus - jedenfalls in wirtschaftlicher Hinsicht.
Qualitätssicherung ist eine wichtige Forderung, wenn es um grössere bauliche Erneuerungen geht. Sie sollte den sozialen Aspekt mit einschliessen.Es wäre ein bau-und planungspolitischer Quantensprung, wenn Qualitätsvorgaben wirklich zur Bedingung von Baubewilligungen gemacht werden könnten. Dies könnte im Sinn einer nachhaltigen Profitabilität durchaus auch im Interesse der BauherrInnen liegen, wie viele professionell geleitete Firmen längst erkannt haben.»
Daniel Kurz, Stadthistoriker


«Ich denke seit 30 Jahren darüber nach, wie sich diese Form von Stadtkannibalismus verhindern lässt. Es braucht dazu jahrzehntelange Vorarbeit: Foren, die sich des Themas annehmen, Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die sozialen und stadtwirtschaftlichen Folgekosten. Ad hoc gibt es nur eins: Laut schreien und nicht ausziehen.
Das Problem, das ich sehe, ist ganz einfach dies: Dass erst einmal die historisch überfälligen sozialstaatlich-obrigkeitlichen Motive - nicht zuletzt ästhetische Argumente - reinlich getrennt werden müssten von den Gemeinwohl-Aspekten. Die Stadt zerstört ihre eigenen Grundlagen - das ist es, worüber man reden müsste. Das kostet die Stadt nämlich später auch sehr viel Geld.»
Dieter Hoffmann-Axthelm, Publizist, Berlin


«Leben kommt nicht aus ohne eine Geschichte der Aneignung, die man selbst gemacht hat. Es kann z.B. keinen ‘sozialen Wohnungsbau’ geben ohne die zukünftigen BewohnerInnen als Träger ihrer eigenen Geschichte miteinzubeziehen. Geschichte entsteht aber nicht dort, wo die PlanerInnen sie gerne hätten. Wie Unkraut spriesst sie aus unvorhergesehenen Ritzen.
Egocity ist und hat eine Geschichte. Diese Geschichte muss weiter gehen, sei es am heutigen Ort oder sonstwo in der Stadt. Das Bedürfnis, das ganze Leben kollektiv selbst in die Hand zu nehmen, wird angesichts der harten wirtschaftlichen und politischen Lage wieder wachsen. Wer eine andere Welt will, muss bereit sein, eine andere Stadt zu schaffen. Und die beginnt genau dort, wo wir schon sind.»
P.M., Autor


«In einem Fall wie beim Projekt Eberle hat die Baubehörde in Bezug auf architektonische und städtebauliche Qualitätssicherung nur ein schwaches Mittel in der Hand. Sie muss sich im Wesentlichen auf die Beurteilung der Fassaden beschränken (§238 PBG). Architektur und Städtebau werden dabei auf 'Aesthetik' reduziert. Eine solche Beurteilung ist dazu verdammt, oberflächlich zu bleiben. Für eine nachhaltige Quartierentwicklung sind Aspekte wie Qualität von Wohnungsgrundrissen, Berücksichtigung bestehender Quartierstruktur, aber auch z.B. Bezug der EG-Nutzungen zum öffentlichen Strassenraum wesentliche Kriterien für die architektonische und städtebauliche Beurteilung.»
Dominique Lorenz, Architektin


«Das Neubauprojekt im Viereck ist alles andere als Teil einer wünschbaren Stadtentwicklung. Angesagt wäre eine behutsame Stadtreparatur und ein sozialverträgliches Vorgehen. Stattdessen droht ein Kahlschlag mit mangelhafter Architekturqualität.
Gefragt sind verantwortungsvolle Investoren, die kluge Konzepte für Quartieraufwertung und für städtebaulich anspruchsvolle Lösungen umsetzen. Es gibt sie neben den gemeinnützigen Bauträgern inzwischen auch unter den privaten Investoren. Diese haben die Chancen eines kooperativen Prozesses und eines Konkurrenzverfahrens für die Projektentwicklung entdeckt. Sie realisieren interessante Projekte und haben erkannt, dass sich diese gut rechnen. Im Gegensatz dazu rechnen sich Kühlschrank bauten ohne Akzeptanz des Umfeldes nicht.
Im Viereck braucht es sofort einen Marschhalt und ein Umdenken. Zielsetzung und Vorgehen müssen überdacht werden. Wenn der private Investor hier seine Chance nicht packt, wird er sich mit grössten Problemen herumschlagen müssen. Reine Spekulation mit Grund und Boden ist ein absolutes Auslaufmodell. Damit werden Probleme geschaffen statt gelöst.»
Markus Zimmermann, Projektleiter Förderstelle Gemeinnütziger Wohnungsbau, Gemeinderat





 

 

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