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STADT-WOHNEN
ist ein Portal für kritische wohn- und stadtpolitische Debatten. Die Seite gibt Alternativen und Hinter- gründe zu Wohnungsnot, Mietzinsproblematik und Stadtentwicklung. Im Archiv findet sich eine breite Palette von Texten und Analysen zum Thema.

 


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Quartier-Protest-Fest im Viereck
vom 22. Setpember 2002

Wir, BewohnerInnen und NachbarInnen des Vierecks Anker-/Badenerstrasse/Grün-/Wyssgasse sind wütend und enttäuscht über die Erteilung der Baubewilligung für das Abrissprojekt im Viereck.
Die Baubewilligungsbehörde hat damit ihren ersten Entscheid, in dem sie dem Projekt die Bewilligung unter anderem aufgrund seiner «architektonisch sehr geringen Qualität» verweigerte, zurückgenommen, ohne dass der Bauherr und Architekt A. Eberle sein Vorhaben in irgend einem kritischen Punkt verbessert hätte:
- nach wie vor will er die bestehenden Häuser durch zwei Klotzbauten ersetzen, die sich weder volumetrisch noch sozial mit dem Quartier vertragen
- nach wie vor plant er unbewohnbare Wohnungen zu übersetzten Preisen
- nach wie vor steigert er die Ausnützung in unlauterer Weise, in-dem er ein erhöhtes Untergeschoss durchgängig als Ladefläche nutzt
Nach wie vor sind aber auch wir nicht bereit, den Eberle-Bau zu akzeptieren. Mit einem Rekurs gegen den Bauentscheid und allen anderen uns zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen wir das Vorhaben, bis sich Herr Eberle endlich aus dem Viereck verabschiedet und Platz für ein gutes Projekt macht.
Wir fordern:

Rücksicht aufs Quartier
Aussersihl ist ein historisches Quartier, dem eine Geschichte mit Schmerz und Charme eingeschrieben ist. Dies gilt insbesondere für den Raum Bezirksgebäude, Schmuklerski, Plaza und das Viereck. Während die ersten drei Bauobjekte in den letzten Jahren mit viel Sorgfalt renoviert wurden und heute ein wichtiges städtisches Zentrum bilden, steht das Viereck vor der Zerstörung.
Die zum Abbruch vorgesehenen Gebäude sind 120 bis 140 Jahre alt, aber durchwegs noch in so gutem Zustand, dass sie mit vertretbarem baulichem Aufwand saniert werden können. Ein Bauprojekt hat auf diese Tatsache Rücksicht zu nehmen und bei jedem Haus die Möglichkeit des Erhalts in die Planung miteinzubeziehen.

Mitspracherecht
Bauvorhaben, die sich über mehrere Parzellen erstrecken, verändern die Sozialstruktur und beeinflussen die Entwicklung eines Quartiers. Deshalb ist es dringlich, das Projekt Eberle - wie auch andere Projekte dieser Grössenordnung - neben dem Baubewilligungsverfahren ebenso auf seine Quartier- und Sozialverträglichkeit hin zu überprüfen. Die betroffene Mieterschaft wie auch die engagierte Anwohnerschaft sind rechtzeitig zu informieren und in den Planungsprozess einzubeziehen.

Günstige Räume
Auf dem Areal des Vierecks besteht günstiger Wohn- und Gewerberaum; er muss erhalten und sorgfältig ergänzt werden. Zentrumsnahe Gebiete leiden seit dem Beginn der jüngsten Raumverknappung verstärkt unter dem Sog der City: Grundstückpreise und Mietzinsen werden in die Höhe geschraubt, und die überall geforderte soziale Durchmischung bleibt auf der Strekcke, indem Familien und Minderbemittelte zum Wegzug gezwungen werden. Nicht nur in den grossen Siedlungen des genossenschaftlichen und kommunalen Wohnungsbaus, sondern auch im engmaschigen inneren Kreis 4 braucht es preisgünstigen Wohnraum für alle.

Öffentliche Nutzungen
Das Kulturzentrum egocity im Haus Badenerstrasse 97 soll bestehen bleiben und weiterwachsen können, denn eine öffentliche Nutzung ist gerade an dieser prominenten Lage wichtig. Aussersihl braucht endlich funktionierende Kultur- und Begegnungszentren statt endloser Querelen um ein Quartierzentrum, das ohnehin nie realisiert wird. Die dem egocity gegenüberliegende Ecke Ankerstrasse/Grüngasse ist einer der wenigen Freiräume im Quartier. Sie soll als Kleinstpark neu gestaltet werden und den AnwohnerInnen als Treffpunkt zur Verf-gung stehen.

Neue Trägerschaften
Herr Eberle hat gezeigt und in verschiedenen Gesprächen bestätigt, dass er nicht in der Lage ist, ein quartierverträgliches und architektonisch befriedigendes Bauprojekt vorzulegen. Wir fordern ihn deshalb auf, die Häuser umgehend zu verkaufen:
- Die Liegenschaft Badenerstr. 97 soll durch die Stadt erworben und an eine geeignete Trägerschaft zum Betrieb eines Quartierlokals verpachtet werden.
- Die übrigen Häuser sollen durch eine soziale Bauträgerschaft, die den langfristigen Erhalt günstiger Wohn- und Gewerberäume garantiert, übernommen werden.


 

 

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