Gute Häuser für alle - Baustopp im Viereck!
Gute Häuser stehen im Viereck, dem Häusergeviert zwischen Badener-, Ankerstrasse, Grün- und Wyssgasse, währschafte alte Häuser, aussen dicht eingewachsen, innen zweckmässige Wohnungen mit eichenen Parkettböden. Zwei von ihnen wurden in den letzten Jahren durch ihre Eigentümer sorgfältig renoviert, die übrigen vier, lange von der Zürcher Kantonalbank als Abbruchobjekte gehalten, wirken vernachlässigt und heruntergekommen. Sie gehören heute dem St. Galler Investor und Architekt Andreas Eberle, der in Zürich nicht unbekannt ist und in letzter Zeit vor allem mit Betrügereien von sich reden machte. Eberle plant auf dem Areal eine konzeptlose Neubebauung mit Büroräumen und teuren Lofts, gegen die Bedürfnisse des Quartiers und wider die Nachfrage des Marktes. Ob er tat-sächlich bauen kann, bleibt jedoch fraglich, denn die Kantonalbank, die Eberle als Käufer einst begünstigte, liess ihn nach Bekanntwerden seiner kriminellen Machenschaften fallen und kündigte ihm den bereits vereinbarten Kredit. Kein seriöses Finanzierungsinstitut kann sich noch leisten, Eberle Geld zu leihen. In der Spekulation auf eine Wertsteigerung des Grundstücks wird Eberle die Häuser aber auch ohne gesicherte Finanzierung abbrechen lassen, denn die Baufreigabe wurde ihm bereits erteilt. Als Resultat ist ist eine Baugrube zu befürchten, die über Jahre diesen wichtigen, zentralen Platz dominiert - kein nettes Weihnachtsgeschenk für Aussersihl. Noch kann die Stadt dies verhindern, die Baufreigabe zurückziehen und Eberle Einhalt gebieten.
Doch nicht nur die drohende Bauruine, auch der geplante Bau selber eröffnet eine erschreckende Perspektive: öde Fassaden, dahinter ab und an ein Loftbesitzer, gebückt unter der Last des teuren Wohnungskredits, in den Bürofenstern Vorhänge und längliche Deckenleuchten oder düstere Leere, wo die Räume nicht vermietet werden können. Wir kennen diese Art von Bauten, es gibt genug davon. Sie sehen schon vor Bezug überholt aus, sie wirken wie Fossilien aus der Eiszeit der Stadtentwicklung. Wir brauchen sie nicht. Wir brauchen gute Häuser, hier und in der ganzen Stadt, alte oder neue. Wir brauchen Häuser, die für ihre NutzerInnen da sind, Häuser für das Leben, um das herum sie gebaut werden sollen.
Um diesen Anliegen - Baustopp im Viereck und Qualitätssicherung bei grösseren Bauprojekten - Nachdruck zu verleihen, hat der Verein Viereck Anfang Dezember eine Petition lanciert, die in der zweiwöchigen Sammelfrist von 2'800 AnwohnerInnen und PassantInnen unterzeichnet wurde. Der volle Wortlaut der Petition ist auf der hinteren Seite dieses Blattes abgedruckt. Auf den beiden folgenden Seiten dokumentieren wir Auszüge aus Stellungnahmen verschiedener Fachleute zu unseren Forderungen. Gespannt warten wir nun auf die Stellungnahme der Behörden und auf ihre konkreten Schritte zur Lösung des Konflikts.
Verein Viereck
Zürich-Aussersihl, Mitte Dezember 2003
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