Mini-Demo von Zürcher Hausbesetzern
Unmut über geplante Überbauung im Zürcher Kreis 4 nach St. Gallen getragen Zürcher Hausbesetzer demonstrierten in St. Gallen gegen einen St. Galler Architekten. Dieser plant eine Überbauung im Zürcher Kreis 4.
Plötzlich war das Haus an der Schmiedgasse 19 umgeben von rund 15 Personen in Handwerker-Montur. Absperrband wurde aufgezogen. Einer mit Helm gab Anweisungen. Wasserrohrbruch? Nein: Hausbesetzerdemo. Ein Transparent wurde entrollt: «Ego wird geräumt? Eberle du träumst!» Und dann war die Aktion auch schon wieder zu Ende.
Vier Häuser sollen weichen
Ego? Eberle? An der Schmiedgasse 19 liegt das Büro des Architekten Andreas Eberle. Ende der 90er-Jahre kaufte dieser für 2,7 Millionen Franken von der Zürcher Kantonalbank (ZKB) ein Häusergeviert im Zürcher Kreis 4. Er plant die Häuser Anfang 2004 abzubrechen, um Büros und 32 Wohnungen zu bauen. Die Gegner, der Anwohnerverein Viereck, empfinden das Projekt als städtebaulich misslungen. Zum Verein gehört auch Stadträtin Monika Stocker. Und die Hausbesetzer von «Egocity», das zum Viereck gehört und seit der Besetzung im Frühling 2001 als alternatives Kulturzentrum dient. Es waren Personen aus dem Egocity-Umfeld, die gestern in St. Gallen demonstrierten. Sie hatten im Sommer bereits vor Eberles Wohnsitz in Untereggen eine Kundgebung abgehalten. Auch in Zürich gab es gestern Protest gegen die Pläne des St. Gallers. Im Club Bogen 13 trat Monika Stocker als Rednerin auf. Ebenfalls als Redner geladen waren der Politiker Balthasar Glättli, Stadtforscher Christian Schmid und der Schriftsteller P.M. Tenor: Abbruch verhindern. Die Gegner werfen Eberle auch vor, dass es ihm ausschliesslich um Profit gehe, nicht ums Quartier. Und sie zweifeln, ob der Architekt genug Geld für die Überbauung habe. Die ZKB ist ohne Angabe von Gründen als Mitfinanziererin ausgestiegen. Ein Demonstrant: «Wir glauben nicht, dass Eberle eine seriöse Finanzierungsalternative findet.» Es wurde in Flugblättern darauf hingewiesen, dass der Architekt wegen Subventionsbetrug zu einer Busse verurteilt worden war.
«Ego bleibt!»
Eberle war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Gegenüber dem Tages-Anzeiger sagte er vor einem Monat: «Die Finanzierung steht, auch ohne Geld der ZKB.» Klar ist: Ende Dezember müssen die Anwohner raus. Im «Egocity» sind für dann Aktionstage angekündigt. Motto: «Ego bleibt!»
St. Galler Tagblatt, 17.12.2003
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