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STADT-WOHNEN
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Rosengarten ist wieder geschützt


Die Baurekurskommission hat dem Heimatschutz Recht gegeben: Der Stadtrat darf den Rosengarten an der Kalkbreite nicht abbrechen.

Von Jürg Rohrer
Nach jahrelangem Abwägen und Werweissen entliess der Stadtrat im Mai 2003 das ehemalige Restaurant Rosengarten aus dem Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte von kommunaler Bedeutung. Er will es abbrechen, um Platz zu schaffen für eine Neuüberbauung. Gegen die Inventarentlassung rekurrierte die Zürcherische Vereinigung für Heimatschutz - mit Erfolg, wie sie gestern mitteilte. Die Baurekurskommission I des Kantons Zürich hiess den Rekurs gut und wies den Stadtrat an, den Gebäudekomplex wieder unter Schutz zu stellen.

Zeuge der Verstädterung
Was soll an diesem bräunlichen, verlotterten Häuschen wertvoll sein, das im Quartier den Titel «Schandfleck» trägt und das seit Jahren mit Notwohnungen belegt ist? Auch die Baurekurskommission (BRK) hält fest, dass sich das Gebäude zurzeit in einem Zustand befinde, der «die Auffassung der Nachbarschaft, es sei abzureissen, als nachvollziehbar erscheinen lässt». Doch bei näherer Betrachtung zeige sich eine interessante Baute mit einer weit gehend intakten Bausubstanz.
Für die BRK ist der Rosengarten einer der letzten übrig gebliebenen Zeugen aus der Epoche, in der sich die Gemeinde Aussersihl zu einer Vorstadt von Zürich entwickelte. Das Hauptgebäude im klassizistisch-biedermeierlichen Stil stammt aus dem Jahr 1841, das Nebengebäude wurde 1877 gebaut und der flache Verbindungsbau 1924. Aus jener Zeit, schreibt die BRK weiter, seien an der Badenerstrasse nur noch die Krone in Altstetten und das ehemalige Schul- und Gemeindehaus an der Ecke Zweierstrasse erhalten. Die Krone befinde sich aber in beträchtlicher Entfernung von der Kalkbreite, und das Schul- und Gemeindehaus könne nicht als Zeuge für die Wohnsituation des bürgerlichen Mittelstandes jener Epoche gelten.
Weiter weiss die Baurekurskommission den «Situationswert» des Rosengartens zu schätzen: Er steht allein an der Kreuzung Badener-/Kalkbreitestrasse und tritt für Betrachter, die der Badenerstrasse stadtauswärts folgen, trotz seiner geringen Höhe «sehr markant» in Erscheinung.

Renovation ist möglich, aber teuer
Der Stadtrat hatte argumentiert, der historische und städtebauliche Wert des Rosengartens sei erstens nicht besonders hoch, zweitens liesse sich das Haus wegen seines schlechten Zustandes nur mit einer Auskernung erhalten, was nicht den denkmalpflegerischen Regeln entspreche. Die Baurekurskommission hält dagegen eine weitere Nutzung sehr wohl für möglich, etwa mit Büros oder Therapieräumen - auch wenn die Renovation «sehr aufwändig und kostspielig» wäre. Für ein Restaurant und die erforderlichen Installationen jedoch wären die Räume wohl zu klein und tief. Auch sei das übrige Areal genügend gross für eine Überbauung, in die mit architektonischem Geschick der Rosengarten integriert und noch besser hervorgehoben werden könnte, findet die BRK weiter.

Stadtrat prüft Weiterzug
30 Tage bleiben dem Stadtrat, um den Entscheid der BRK ans Verwaltungsgericht weiterzuziehen - oder ihn zu akzeptieren. Entschieden hat er noch nicht. Offen ist auch, wie die geplante Überbauung des Kalkbreite-Areals überhaupt aussehen soll. Die Links-grün-christliche Mehrheit des Gemeinderates und der Quartierverein Aussersihl-Hard wollen eine Überdeckung der VBZ-Abstellgleise mit Wohnungen. Für den Stadtrat und die SVP-/FDP-Minderheit ist das viel zu teuer, weshalb nur ein schmaler Streifen entlang der Badenerstrasse überbaut werden soll, vorwiegend mit Büros. Auf dem Rest des Areals wäre der Rangierbahnhof der VBZ.
Max Künzig, Präsident des Quartiervereins Aussersihl-Hard, kann mit der Erhaltung des Rosengartens leben, immerhin handle es sich um das älteste Gebäude im Kreis 4. Für ihn absolut zwingend ist aber eine andere Nutzung.



Tages-Anzeiger, 17.02.2004, Seite 13

 

 

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