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STADT-WOHNEN
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Bessere Zeiten für Wohnungssuche

Nur noch wenige Mieter ziehen ausserterminlich um - aus Angst, auf ihrer alten Wohnung sitzen zu bleiben.

Von Janine Hosp
Die Wohnung ist ein Schmuckstück: Sie ist 130 Quadratmeter gross, verfügt über Parkett, Cheminée, Glaskeramikherd und liegt an bevorzugter Lage im Kreis 6. Mietzins: 3400 Franken. Vor einem Jahr, als die Immobilienfirma Kuoni Mueller und Partner eine ähnliche Wohnung ausgeschrieben hatte, lief das Telefon heiss. Jetzt aber, so sagt Petra Corvaglia, hätten lediglich fünf bis sechs Leute angerufen.
Obwohl bald Zügeltermin ist, bewegt sich kaum etwas auf dem Wohnungsmarkt. «Heute zieht nur um, wer wirklich eine Wohnung braucht», sagt Petra Corvaglia. Wer eine Wohnung hat, bleibt, auch wenn er damit nicht ganz zufrieden ist. «Es läuft praktisch nichts», sagt auch Ina Aberle vom Mata-Dienst. In den letzten Monaten ist aber noch weniger gelaufen, denn wie Corvaglia und Aberle beobachten, ziehen nur noch wenige Leute ausserterminlich um - aus Angst, auf der Wohnung sitzen zu bleiben. Im letzten Sommer - das Stadtzürcher Statistische Amt zählte am 1. Juni gerade 81 leer stehende Wohnungen oder 0,04 Prozent des Bestandes - war diese Angst unbegründet. Viele Mieter mussten sofort in die neue Wohnung einziehen, fanden aber auch sofort Nachmieter.
«Die Lage auf dem Wohnungsmarkt hat sich entspannt», sagt Robert E. Gubler, Geschäftsführer der Vereinigung Zürcher Immobilienfirmen. Und auch Petra Corvaglia sagt: «Man bekommt wieder sehr gute Wohnungen.» Die Zeitungsspalten mit Inseraten sind länger geworden, und im Internet gibts wieder eine gute Auswahl. Den Grund sieht Gubler in der wirtschaftlichen Lage, der Ungewissheit und dem Krieg. Ina Aberle meint: «Die Leute haben Angst, weil sie nicht wissen, was ihnen die Zukunft bringt.»
Vor allem Besitzer von Luxuswohnungen oder Einfamilienhäusern haben Mühe, Mieter zu finden. «Von solchen Objekten hat es mehr als genug», sagt Aberle. So wurde ihr etwa ein Einfamilienhaus in Weinigen für 6000 Franken zur Vermittlung angeboten. «Aber das geht nicht weg. Selbst in Zollikon wäre dies schwierig», sagt sie. «Potenzielle Interessenten müssen wir fast begleiten, damit sie sich die Wohnungen überhaupt ansehen.» Petra Corvaglia versucht gar seit November an der Goldküste eine grosse Attika-Wohnung mit allem Komfort von gut 5500 Franken zu vermieten, ohne Erfolg. Solche Objekte seien bis anhin von ausländischen Managern gemietet worden, sagt Aberle. Die hätten locker 10'000 Franken für ein Einfamilienhaus bezahlt. «Aber viele haben den blauen Brief bekommen und sind jetzt auf der Heimreise», sagt sie.
Teure Wohnungen, sagt Elisabeth von Allmen vom Büro Domino, lassen sich heute nur noch vermieten, wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. In den letzten Jahren war dies nicht selbstverständlich. Laut von Allmen waren die Mieter froh, überhaupt etwas zu haben, und nahmen auch überteuerte Wohnungen.
So geben heute Wohnungsinserate einen Eindruck, wie manche Leute leben - oder gelebt haben. Im Kreis 2 etwa ist per sofort eine luxuriöse 6-Zimmerwohnung in einem «wunderschönen Jugendstilhaus» ausgeschrieben, 167 Quadratmeter, Seesicht. Die Miete: 6410 Franken - die Garage kostet zusätzlich. Wo liegt die kritische Schwelle? Robert E. Gubler schätzt, bei 3000 Franken für eine 4-Zimmerwohnung, laut Yvonne Muigg von der Liegenschaftsverwaltung Intercity steigt schon bei 2500 Franken der Aufwand, um sie zu vermieten. Je nach Lage kann sie aber noch tiefer liegen: Petra Corvaglia schrieb im September schöne Neubauwohnungen in Seebach aus, der Mietzins für die günstigste 4-Zimmer-Wohnung betrug 2100 Franken. Es dauerte über vier Monate, bis alle Wohnungen vermietet waren.
«Manchmal muss man eine bestimmte Schwelle unterlaufen, und es bewegt sich wieder etwas», beobachtete Yvonne Muigg. Manche Liegenschaftenbesitzer haben jedoch nur einen kleinen Spielraum, um den Mietzins zu senken, zum Beispiel wenn sie an Festhypotheken von über 4 Prozent gebunden sind oder wenn sie ihre Wohnung teuer ausgebaut haben. «Es gibt Vermieter, die haben Marmorböden verlegt und Jacuzzis eingebaut. Diese müssen einen hohen Mietzins verlangen, damit es aufgeht.» Wenn die Wohnung nicht vermietet werden kann, bleibt ihnen aber oft nichts anderes übrig, als die Miete zu senken und einen Verlust in Kauf zu nehmen. «Die Mieter verlangen heute sehr viel», sagt Petra Corvaglia. Sie forderten nicht nur Mietzinssenkungen, auch die Wohnung müsse frisch gestrichen und der kleinste Schaden behoben werden.
Sehr schwierig zu vermieten sind auch die möblierten Wohnungen. «Diese waren früher unser bester Verdienst. Spätestens nach einer halben Stunde waren sie weg», sagt Ina Aberle. Weil sie so gesucht waren, haben Firmen für Mitarbeiter, die nur auf Zeit in Zürich waren, ganze Häuser mit möblierten Wohnungen gemietet. «Heute brauchen sie die Firmen nicht mehr, und wir erhalten von ihnen fast wöchentlich einen Fax, in dem sie eine weitere Mietzinsreduktion ankünden.» Bei den günstigen Wohnungen hingegen ist die Nachfrage grösser denn je, eine Mietzinssenkung keine Diskussion. 1-Zimmerwohnungen zu 750 Franken oder 2 Zimmer-Wohnungen zu 1000 Franken sind laut Ina Aberle sehr gefragt. «Davon könnten wir massenhaft vermieten.»


Tages-Anzeiger, 27. März 2003

 

 

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