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STADT-WOHNEN
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Gähnende Leere in vielen Büros


Von Genfer- bis Bodensee stehen über 5 Millionen Quadratmeter Geschäfts- und Verkaufsflächen leer. Und olange munter weitergebaut wird, bleibt die Trendwende auf dem Büromarkt in weiter Ferne.

Von Judith Wittwer
Der Konjunkturaufschwung ist da. Es wird wieder investiert, und - was besonders erfreulich ist - es werden in der Schweiz auch wieder Stellen geschaffen. Eigentlich ideale Voraussetzungen für die Anbieter von Büroflächen. Denn mehr Arbeitsplätze bedeuten - mit leichter zeitlicher Verzögerung - auch eine steigende Nachfrage nach Geschäftsimmobilien.
Doch die Schilder und Blachen mit der Aufschrift «Bürofläche zu vermieten» sind weiterhin omnipräsent. Insgesamt stehen von Genfer- bis Bodensee über 5 Millionen Quadratmeter Geschäfts- und Verkaufsflächen leer. Geht man davon aus, dass ein Angestellter im Schnitt inklusive Pausenräume, Sitzungszimmer und Korridore eine Arbeitsfläche von fast 50 Quadratmetern beansprucht, bieten die ungenutzten Bürokomplexe Raum für mehr als 100’000 Mitarbeitende. Die Leerstandsquote beträgt inzwischen fast 12 Prozent.

Zürich, die Stadt der leeren Büros
Der Grund für die gähnende Leere in vielen Schweizer Bürokomplexen ist der Bauboom. Seit 2001 wird mehr gebaut, als vom Markt absorbiert wird. Und eine Trendwende ist trotz der anziehender Nachfrage nicht in Sicht: Fürs laufende Jahr rechnet das Zürcher Beratungsunternehmen Wüest & Partner erneut mit einer halben Million Quadratmeter zusätzlicher Bürofläche, wie aus einer neuen Studie hervorgeht.
Mehr Bürokomplexe errichtet als nachgefragt werden vor allem im Raum Zürich. Hier konzentrieren sich seit Jahren über 40 Prozent der schweizerischen Investitionen in Büroflächen; in den Achtziger- und Neunzigerjahren lag der Wert noch 10 bis 15 Prozent tiefer. «Die Überkapazitäten bleiben in der Region noch einige Zeit bestehen», ist Dieter Marmet von Wüest & Partner überzeugt. Der Immobilienexperte macht dafür zwei Gründe geltend: Die Nachfrage nach Büroflächen wird in Zürich vom Finanzsektor dominiert. In der Branche entstehen zwar wieder mehr Jobs. Langfristig prognostizieren Experten jedoch einen Arbeitsplatzrückgang.
Ende der Achtzigerjahre wurde der Platz knapp in der Stadt Zürich. Zahlreiche Konzerne wichen für ihre Erweiterungsbauten in die Agglomeration aus. Durch die Öffnung der Industriezonen kann nun wieder an bester Lage gebaut werden. Mit der Folge, dass die Generalunternehmungen munter weiter Bürohäuser errichten.

Preise sinken nur moderat
Trotz der Überkapazitäten glaubt Marmet nicht, dass die Preise auf breiter Front ins Rutschen geraten werden: «Nachdem sich die Büroflächenpreise in den Achtzigerjahren mehr als verdoppelt hatten, brachen sie zwischen 1991 und 1998 um fast 30 Prozent ein», erklärt der Experte. «In der darauf folgenden Erholungsphase bis 2002 betrug der Preisanstieg dann aber weniger als 10 Prozent. Entsprechend moderater fiel bis jetzt der Preisrückgang aus.»
Zudem sind viele Unternehmen an Toplagen nach wie vor bereit, satte Mietpreise zu zahlen. «Qualität vor Preis», lautet das Motto. Das stützt das Angebot. Für 2006 rechnet Wüest & Partner daher nur mit einem moderaten Rückgang; er dürfte gesamtschweizerisch in der Grössenordnung von etwas über 2 Prozent liegen.


Tages-Anzeiger, 26.4.2006


 

 

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