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Extreme Verdichtung für maximale Rendite -
Wo bleibt die städtebauliche Verantwortung der SBB?
Am 18. Januar 2006 hat der Zürcher Gemeinderat dem von der SBB als Grundeigentümerin vorgelegten privaten Gestaltungsplan «Stadtraum HB» zugestimmt. Der Gestaltungsplan
- erlaubt 320'000 m2 Nutzfläche, das sind 20% mehr als die heutige Bau- und Zonenordnung (BZO) vorsieht; ermöglicht bis zu 8'000 Arbeitsplätze;
- fordert bloss 400 mit Sicherheit teure Wohnungen, weit weniger als die geltende BZO und der alte Gestaltungsplan von Eurogate vorsieht;
- bringt eine extrem hohe bauliche Dichte mit einem ungenügenden Freiflächenangebot;
- trotz massiver Aufzonung werden der SBB als Grundeigentümerin keinerlei Gegenleistungen abverlangt, z.B. Abgabe von günstigem Baurechtsland für Wohnungsbau oder einem Kostenbeitrag an die zwei geplanten Gleispasserellen.
Ein Antrag von AL-Gemeinderat Niklaus Scherr, die Vorlage freiwillig der Volksabstimmung zu unterbreiten, erhält bloss 13 Stimmen von AL und Grünen und wird damit abgelehnt.
«Seit 1984 sind wir ein wesentliches Stück weitergekommen. Man macht eine Längsbebauung und nicht eine unsinnige Gleisüberdeckung. Aber ist die Dichte richtig? Hat es genug Freiraum? Stimmt der Wohnanteil? Das Problem der Gestaltungspläne ist, dass sie letztlich ein Wunschmenu der Investoren sind. Das Parlament muss aber auch die Interessen der Gesamtbevölkerung vertreten. Es ist unerträglich, dass am zentralsten Ort der Stadt ein private Gestaltungsplan erlassen wird. Eigentlich sind das nicht private Grundstücke. Öfffentliche Gestaltungspläne, bei denen die Öffentlichkeit eine maximale Mitsprachemöglichkeit hat, sind laut Planungs- und Baugesetz eigentlich in Zentren des öffentlichen Verkehrs vorgesehen. Hier aber verhandeln Stadt und Private im Dunkeln. Ich stelle Ihnen darum den Antrag, diese Vorlage dem Referendum zu unterstellen.»
Niklaus Scherr (AL), Ratsdebatte vom 18. Januar 2006
«Ende gut, alles gut? So einfach ist es nicht. Eine Nutzfläche von 320 000 Quadratmetern muss irgendwo untergebracht werden. Im Vollausbau werden mächtige Häuserzeilen entstehen. (..) Die Bundesbahnen planen nichts anderes als ein neues Eingangstor zur Stadt. Die Fehler, die sie und die Investoren machen, werden die Zugreisenden in den nächsten Jahrzehnten jeden Tag aus dem Fenster bestaunen. Es war zwar ein Kraftakt der SBB und der Siadt, die Planung des verkorksten Projekts Eurogate so schnell wieder auf ein neues Gleis zu stellen. Doch ein noch grösserer Kraftakt steht jetzt bevor: Bauten zu schaffen, die mehr sind als Hüllen für lukrative Wohnungen und Büroarbeitsplätze.»
NZZ vom 19. Januar 2006
«Das Gebiet umfasst eine Fläche von 73'000 m2. In den meisten Baufeldern sind Hochhäuser bis 50 Meter möglich; höhere wären ebenfalls bewilligungsfähig. Nach BZO wäre eine Ausnützung von 265'000 m2 möglich. Dank dem Gestaltungsplan beträgt diese Fläche nun 320,000 m2. Für die SBB resultiert ein Mehrwert von 40 bis 50 Millionen Franken.»
Emil Seliner (SP), Ratsdebatte vom 18. Januar 2006.
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