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STADT-WOHNEN
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Eurogate: ubs und weg!

Mittlerweile ranken sich viele Legenden und Sagen um die Geschichte von Eurogate alias HB Südwest, dem teuersten und grössten städtischen Bauprojekt der Schweiz. Der letzte Akt war das dramatische Finale im gemischten Doppel Petri/Knauss gegen UBS/SBB.

Von Richard Wolff
Die topgesetzten UBS/SAB hatten offensichtlich die Solidität und Hartnäckigkeit der Grünen unterschätzt. Mangelnde Konzentration im Abschluss und fehlende Platzübersicht, aber auch schlechtes Coaching führten im Team der Bänkler und Bähnler zu vermeidbaren Fehlern, was nachträglich auch intern noch zu Querelen führte. Ist ja schon ärgerlich, wenn die hohen Bahnherren extra von Bern nach Zürich zur Unterschriftsetzung anreisen und der Vertragspartner Eurogate/UBS ihnen mitteilt, es fehle «nur noch eine Unterschrift des VCS». Nur noch! Nachdem sich die Bauherrschaft selbst zwei Jahre lang in Rechtshändel verstrickt hatte, weil sie sich stur weigerte, den Bauentscheid der Stadt Zürich zu akzeptieren, der ihr nicht mehr als 643 Parkplätze zugestand. Lässt man im realen Kapitalismus ein 1,5 Milliarden-Vorhaben wegen ein paar Parkplätzen platzen?
Es gab auch noch andere Gründe: Die SBB waren anscheinend gar nicht mehr so glücklich mit dem Projekt und hatten plötzlich Angst, zu kurz zu kommen und zu viel bezahlen zu müssen. Und als sich die SBB auszumalen begannen, welche unabsehbaren Probleme entstehen könnten, wenn sich zwei so grosse und unterschiedliche Unternehmen während Jahren auf der gleichen Baustelle auf den Füssen herumstehen, wurde es ihnen vollends mulmig. Schliesslich sahen sie sogar ihr Jahrhundertprojekt Bahn 2000 wegen möglicher Komplikationen mit Eurogate bedroht. Es ist deshalb anzunehmen, dass den Bähnlern ein gewaltiger Stein vom Herzen fiel, als der Termin in letzter Minute platzte. Nur so ist zu erklären, dass sie gute Miene zum bösen (oder abgekarteten?) Spiel machten und willig teilnahmen am PR-Showdown der drittgrössten Bank der Welt gegen den zweitgrössten Verkehrsclub der Schweiz.
Unumstössliche Tatsache ist, dass die Bausektion der Stadt 1997 die maximale Parkplatzzahl auf 643 festlegte, wogegen die Bauherrschaft erfolglos rekurrierte. Am 6.4.2001 bestätigte das Verwaltungsgericht die Auffassung des VCS, wonach «auch Grossprojekte den gesetzlichen Umweltauflagen genügen müssen» und entschied, dass die Zahl von 643 vorbehaltlos gelte. Faet ist schliesslich auch, dass am 30.4. die Frist ablief, bis zu der die SBB einen Vertrag mit der Bauherrschaft unterzeichnen wollten.
Fadenscheiniges Erpressungsmanöver um 9.21 Uhr. Während an diesem letzten Tag der Frist die SBB-Herren unterwegs nach Zürich sind, um den Vertrag zu unterzeichnen, kommt es dem Herrn Anwalt der UBS/Eurogate in den Sinn, dass er noch eine Unterschrift des VCS benötigt. Um 9.21 Uhr faxt er: «Sehr geehrte Frau Petri ... Die UBS erwartet, dass der VCS bis heute um 10 Uhr schriftlich erklärt», dass es nur «einstweilen» und unter «Vorbehalten bei der bewilligten Parkplatzzahl von 643 bleibt». Die Formulierungen «einstweilen» und «unter Vorbehalten» erlauben genau das Gegenteil dessen, was vom Gericht entschieden wurde! Wie kommt die UBS dazu, innert 39 Minuten dem VCS ein Versprechen abluchsen zu wollen, das allem widerspricht, was in jahrelangen, zähen Ämterkämpfen und Prozessen festgelegt wurde? Alles deutet darauf hin, dass die logische Ablehnung dieses ultimativen Diktats einkalkuliert war.
Flugs packten die Finanzmächtigen die Gelegenheit beim Schopf und liessen den Ten-nin und mit ihm eine 30-jährige Planung platzen, um dann die ganze Schuld am Scheitern dem VCS in die Schuhe zu schieben. Angesichts der tendenziell einseitigen Berichterstattung in den Medien und der Feindschaft gegenüber dem grünökologischen Lager selbst in breiten Kreisen der SP schien dies relativ einfach zu bewerkstelligen. Die Rechnung will aber trotzdem nicht ganz aufgehen. Allzu durchsichtig ist das Jammerspiel, denn Hand aufs Herz: Verhandelt man allen Ernstes mit dem VCS über eine so zentrale Frage erst am allerletzten Tag, in der allerletzten halben Stunde? Und warum unterbreitet man dann ein Papier, das klar gegen alles verstösst, was jemals besprochen wurde? Allen Beteiligten war klar, dass die Parkplatzzahl geltendem Recht entspricht.
Die UBS wusste es: Mit den längst bewilligten 643 Parkplätzen hätte die Bauherrschaft in Kürze mit dem Bau beginnen können. Schon x-mal hatte sie denn auch ihren Finanzierungsentscheid angekündigt, nur um ihn jedes Mal aufs Neue zu vertagen. Und nun kann es die Bank - wie ein Schulbub mit schlechtem Gewissen - einfach nicht zugeben, dass sie eigentlich gar nicht bauen will, weil es nämlich schlicht nicht rentiert und zu riskant ist. Selbst der vielen Geldern gewaschene Architekt Bänziger muss sich veräppelt vorkommen. UBS hat den Gagg in der Hose, und obwohl es alle riechen, behauptet sie: Der VCS wars.


Leonardo, März 2001


 

 

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