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«Keine gesichtslose Monokultur»
Was wird aus dem Kalkbreite-Areal? Brigitte Oberholzer kämpft mit dem Verein Kalkbreite für eine vernünftige Quartierentwicklung.
Das Kalkbreite-Areal zwischen der Badenerstrasse, der Kalkbreitestrasse und dem Bahngraben ist eine der letzten bebaubaren Flächen im Kreis 4. Was auf dem Areal entstehen wird, ist noch unklar. Gestern Abend gründete Brigitte Oberholzer, 32, den Verein Kalkbreite mit, der sich um die Zukunft des Areals kümmern soll.
Brigitte Oberholzer, Sie waren beteiligt an der Vereinsgründung. Was fordern sie?
Brigitte Oberholerz: Wir möchten dag Banrecht für das Areal übernehmen. Denn wenn der Stadtrat auf dem Areal baut, haben wir keine Chancen, aktiv mitzugestalten. Es wird ein langer Kampf.
Wie wollen Sie das Areal nutzen?
Das 11auptgewicht sollen verschiedene Wohnungen für WGs und Kleinverdienende bilden, wenn möglich subventionierte. Wir denken an Mietpreise von 1000 Franken für eine 3-Zimmer-Wohnung. Hinzu kommen sollten Krippen, Werkstätten und Cafés mit Ausstellungsflächen für Künstler aus dem Quartier. Ich sehe eine Begegnungszone, die keine Menschen ausgrenzt und Durchmischungen zulässt.
Seit 1978 verlangt eine Volksinitiative der SP eine Wohnüberbauung auf dem Areal. Jetzt gibt es Anzeichen dafür, dass der Stadtrat doch keine Wohnungen, sondern Büroräumlichkeiten darauf errichten mochte. Was halten Sie davon?
Das ist eine unsinnige Entwicklung. Es gibt zu viele ungenützte Büroflachen in der Stadt, doch günstige Wohnungen gibt es kaum. Der Stadtrat hat sich noch nicht definitiv zu seinem Vorhaben geäussert, doch er argumentiert, dass es nicht möglich sei, günstige Wohnungen auf dem Areal zu errichten, und auch der Lärmpegel sei zu hoch ' um Wohnungen darauf zu bauen. Ich sehe das nicht so. Wir wollen nicht noch eine gesichtslose Monokultur, sondern ein lebendiges Wohnquartier.
Auf dem Areal befinden sich Gleise der VBZ, daneben liegt der Bahngraben. Nicht gerade ein begehrter Ort zum Wohnen.
Ich finde die Lage super. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, selber auf dem Kalkbreite-Areal zu wohnen. Es ist sehr zentral, und die Gegend entwickelt sich rasant. Bislang ist die Kalkbreite ein toter Punkt. Doch das muss nicht so sein.
Das Kalkbreite-Areal ist ein Streitfall. Jahrelang wusste man nicht, ob das Restaurant Rosengarten abgerissen oder stehen bleiben soll. Wie wichtig sind die alten Bauten für das Areal?
Der Rosengarten wurde definitiv unter Schutz gestellt und bleibt auf dem Areal. Das ist gut so, denn Altes und Neues ist wichtig für ein Quartier. Der Stadtrat sieht allerdings vor, die übrigen alten Bauten abzureissen, so auch das Backsteingebäude der VBZ, das heute als kultureller Treffpunkt genutzt wird. Wir aber wollen die alte Bausubstanz beibehalten.
Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass die Kalkbreite zu Wohnquartier wird?
Ich hoffe, dass es möglich ist, unser Vorhaben zu verwirklichen. Die Kalkbreite ist kein Hotspot wie beispielsweise die Kaserne, dort wären günstige Wohnungen sicherlich weniger denkbar.
Wie geht es jetzt weiter?
Der Stadtrat hat das Areal noch nicht verplant und ist immer noch an den Wohnungsbau gebunden. Bis weitere Entscheide gefallt werden, nutzen wir die Zeit, um ein konkretes Konzept auszuarbeiten. Wir hoffen, dass er uns das Baurecht übergibt. Falle er selber bauen sollte, hoffen wir auf einen Entscheid für ein dynamisches Wohnquartier und gegen Büros.
Tagblatt, 10 März 2006
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