Projekt Fuge als flankierende Massnahme?
christine fueter, du bist projektleiterin des projekt fuge in der grünau. fuge hat zum ziel mittels kultureller zwischennutzung das grünau-quartier positiv aufzuwerten. an einem podium mitte
oktober entstand aber etwas der eindruck, dass für die künstlerInnen in erster linie der billige raum im mittelpunkt steht.
die motivationen der kulturschaffenden am projekt fuge mitzumachen sind so unterschiedlich wie die personen, die hier in der bernersiedlung ein atelier mieten - im moment 94 ateliers, bzw. ca. 160 kulturschaffende. der billige raum ist sicher für viele ein wichtiger punkt - was auch legitim ist. die meisten interessiert aber auch das spannende umfeld: dieses quartier an der peripherie, die menschen, die hier wohnen und/oder arbeiten, aber natürlich auch die anderen künstlerInnen.
eine auflage an die fuge-projekte ist ein bezug zur grünau. wieso?
den betreiberInnen des gemeinschaftszentrums und mieterInnenbüros, aber auch dem vorstand des vereins pro fuge ist wichtig, dass die quartierbevölkerung im allgemeinen und die siedlungsbewohnerInnen im speziellen respektiert werden. eine jury zusammengesetzt aus Leuten, die
kulturell und/oder sozial tätig sind, beurteilt die Projekte bezüglich der künstlerischen qualität, sowie der quartierverträglichkeit.
nun wurde fuge aber nicht von allen bewohnerInnen positiv aufgenommen. im letzten herbst wurden die mieterInnen von den künstlerInnen zum teil regelrecht überrannt. es gab lärmklagen und vereinzelt sogar schlägereien.
kunst und kultur sollen reaktionen auslösen, dazu gehören positive wie auch negative äusserungen. viele siedlungsbewohnerInnen haben und hatten tatsächlich andere probleme und interessieren sich daher nicht oder wenig für das projekt fuge. trotzdem sind wir überzeugt, dass die positiven reaktionen, vor allem von den kindern überwiegen. die projektwoche zusammen mit der hochschule für gestaltung und dem benachbarten primarschulhaus war ein voller erfolg.
ist es aber nicht etwas absurd, dass nach dem einzug der künstlerInnen in verschiedenen häusern cablecom-anschlüsse verlegt wurden, was den bewohnerInnen zuvor jahrelang verweigert wurde?
laut unserer Information sind cablecom-anschlüsse schon vor jahren verlegt worden.
ein ziel von fuge ist es, das in der siedlung bernerstrasse kein wohnraum leer steht. damit wurde bewusst eine besetzung verhindert. fühlt ihr euch nicht von der stadt instrumentalisiert?
dies ist das ziel von TransitBe+ (den quartierinstitutionen und der stadt zürich), nicht exklusiv von fuge. wir finden es äusserst spannend, dass «kunst und kultur» in diverse departemente der stadt einzug gehalten hat, die sich sonst nicht damit befassen. das thema kulturelle zwischennutzung löste dort kontroversen aus, die noch nicht zu ende sind. es wird über kunst geredet!
ihr seht euch also nicht als flankierende massnahme zum abbruch?
ohne diesen abbruch wäre fuge nicht ins leben gerufen worden.
wie sieht das programm für die letzen monate aus?
jeden letzten donnerstag im monat findet ein koch- und essabend in der NachBar statt. vom 11. - 13. dezember planen wir ein weihnachtswarenhaus. künstlerInnen und quartierbewohnerInnen bieten «last-minute» geschenke aus der aktuellen produktion an. die NachBar bewirtet die besucherInnen mit weihnachtsgebäck und glühwein. ein künstler organisiert eine tombola mit originellen treisen usw. im januar 04 wird das Projekt fuge mit einem grossen finale abgeschlossen.
und dann kommt fuge II?
das interesse ist da, doch wichtig scheint uns, dass wir erst mal fuge I auswerten. was danach kommt wird sich zeigen. aber - wüsstest du einen geeigneten ort für fuge II?
an neubauprojekten fehlts in zürich ja wahrlich nicht. die nächste städtische
liegenschaft, die abgerissen wird ist voraussichtlich die siedlung rautistrasse.
see you there :-)
.RF Nr. 18, November 2003
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