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STADT-WOHNEN
ist ein Portal für kritische wohn- und stadtpolitische Debatten. Die Seite gibt Alternativen und Hinter- gründe zu Wohnungsnot, Mietzinsproblematik und Stadtentwicklung. Im Archiv findet sich eine breite Palette von Texten und Analysen zum Thema.

 


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Binz bleibt Binz


Seit drei Jahren ist das Fabrikareal an der Üetlibergstrasse 111/111a besetzt. Heute wohnen rund 40 Menschen hier. Viele weitere Personen nutzen das Areal regelmässig. In den Werkstätten wird täglich gearbeitet, Theatergruppen und Bands proben, Filmprojekte werden realisiert, der Trainingsraum ist ausgelastet. Leute kommen um etwas zu machen und ihre Ideen mit anderen auszutauschen. Das ist die Binz, sie ist in voller Blüte, bietet vielen Menschen eine Existenz und Raum für die Verwirklichung ihrer Pläne.

Im Jahr 1983 erwarb der Kanton Zürich die 1894 erbauten Fabrikationshallen aus dem Nachlass der Color Metal AG. Die ersten Pläne des Kantons sahen ein Mehrzweckgebäude vor, in dem unter anderem die Datenverarbeitung des Kantons (EDV), die Kantonale Drucksachen- und Materialzentrale (KDMZ) und ein Bezirksgefängnis (BGZ) untergebrachte werden sollten. Nachdem dieses Vorhaben an baurechtlichen Regelungen scheiterte, wurde das Areal für verschiedene Zwischennutzungen vermietet und schliesslich der Stadt Zürich in Gebrauchsleihe gegeben. Die Stadt plante in den Hallen einen provisorischen Freestylepark zu errichten, wofür allen Mietern gekündigt wurde. Als die Gebäude leer standen wurden sie im Mai 2006 besetzt. Das Freestylepark-Projekt wurde im Frühsommer 2007 aufgrund von Verzögerungen durch Einsprachen eines benachbarten Hausbesitzers aufgegeben.

Nach drei Jahren gutem Miteinander mit der Stadt Zürich, läuft der Gebrauchsleihevertrag des Kantons mit der Stadt Zürich per Ende Juni aus, Verwaltung und Zuständigkeit wechseln wieder zum Kanton. Offensichtlich zu raschem Handeln entschlossen, publizierte dieser im Amtsblatt vom 9. April 2009 ein Submissionsverfahren zum Abriss der Liegenschaften. Beginn der Abbrucharbeiten sollte gemäss Ausschreibung der 1. Juli sein. Die Lektüre hat uns überrascht. Um den Sachverhalt zu klären haben wir Kontakt mit den zuständigen Stellen des Kantons aufgenommen. Das Resultat der darauf folgenden Besprechung ist die mündliche Zusicherung, dass bis Ende September nichts passieren wird. Weiter liegt es in der Absicht der kantonalen Baudirektion das Areal baldmöglichst im Baurecht zu vergeben. Dabei sollen in erster Linie marktwirtschaftliche Kriterien zählen. Sollte der zukünftige Baurechstnehmer vorziehen, das Grundsrück geräumt und (Altlasten-) saniert zu übernehmen, dann würde am 1. Oktober mit den Abbrucharbeiten begonnen werden.

Dafür sehen wir keinen Grund. Den Ort an dem wir leben für eine Baubrache zu verlassen ist für uns keine Option. Denn: bis ein Neubauprojekt entworfen, geplant, bewilligt und sämtliche Vorkehrungen für die Umsetzungen getroffen sind, ist mit einem Zeitraum von mehreren Monaten oder gar Jahren zu rechnen. So lange bleiben wir. Mindestens.

Wir sind nicht zufällig hier: Die leerstehenden Hallen haben wir besetzt, weil wir einen selbsbestimmten und gemeinschaftlichen Alltag wollen. Dafür brauchen wir Raum und die Binz ist ein idealer Ort. Es hat Platz. Die Hallen haben keinen vordefinierten Zweck. Sie können je nach Bedürfnissen und Vorhaben eingerichtet und laufend umgestaltet werden. Die bisher entstandenen Räumlichkeiten, Nischen, Projekte und Produkte sind ebenso vielfältig und unterschiedlich wie die Menschen, die sie geschaffen haben. Gleichzeitig erfordert und fördert die gemeinschaftliche Nutzung Zusammenarbeit. Wir teilen nicht nur einen Grossteil der selbst errichteten Infrastruktur wie Wohnraum, Küchen, Werkstätten usw., sondern auch Wissen und Ideen. Diese realisieren wir mit grossem Engagement und wenig Geld. Wir investieren Zeit und Energie, setzen auf Respekt und Eigenverantwortung. Dabei werden gleichzeitig individuelle Fähigkeiten sowie soziale Kompetenz entwickelt. Das Potential, das dadurch entsteht ist innovativ und nachhaltig. Seine Wirkung geht weit über die Binz hinaus und wird sich in unzähligen Formen wiederfinden. Sei es in Politik, Forschung, Kunst und Kultur, Sport, Handwerk, Familie etc.

Kurz: Weil die Binz von einem unnötigen, vorzeitigen Abriss bedroht ist und weil wir davon überzeugt sind, dass es Orte wie diesen dringend braucht, haben wir die beiden Petitionen: BINZBLEIBTBINZ und BINZBLEIBTBINZBIS lanciert. Wir freuen uns, wenn Du sie heute noch unterschreibst, am liebsten beide.





Communiqués, Sommer 2009


 

 

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