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Kreis 5 wehrt sich gegen das Tunnelsystem
Das neue Verkehrskonzept mit Stadt-, Waidhalden- und Sihlquai-Tunnel überzeugt die direkt betroffenen Quartiere nicht. Vor allem der Kreis 5 wird sich mit allen Mitteln wehren.
Von Jürg Rohrer und Adi Kälin
Für etwa 2,5 Milliarden Franken wollen Regierungsrat und Stadtrat die Verkehrsprobleme in Zürich in den Griff bekommen. Das Konzept, das sie am letzten Freitag vorgestellt haben, sieht einen Tunnel zwischen Bucheggplatz und Limmat vor (Waidhaldentunnel lang) mit Fortsetzung auf dem Bahnviadukt in den Kreis 5. Weiter soll das Sihlquai dreispurig in den Boden versenkt und mit einem Park überdeckt werden. Der grösste Brocken schliesslich ist der elf Kilometer lange Stadttunnel zwischen Brunau und Dübendorf. Zeithorizont 2025.
Was für FDP-Baudirektorin Dorothée Fierz und SP-Stadtrat Martin Waser Optionen sind, um den ständig wachsenden Verkehr zu bändigen und die Quartiere zu schonen, ja gar aufzuwerten, ist nach Meinung von Helmuth Werner das Todesurteil für den Kreis 5. Der Präsident des Quartiervereins Industrie befürchtet eine Verkehrslawine, zum Beispiel dann, wenn der Tunnel für das Sihlquai gebaut und der Verkehr während der jahrelangen Bauerei durch die Limmatstrasse umgeleitet wird. Alles, was dieses Verkehrskonzept konsolidiere, müsse verhindert werden, sagt er auf Anfrage. Dazu gehört auch die Pfingstweidstrasse mit der Tramlinie Zürich-West (siehe Kasten), weshalb Werner und gleich Gesinnte jetzt versuchen, Anrainer zu Einsprachen zu bewegen.
Weiter ist ein überparteilicher Verein in Gründung, der das Verkehrskonzept bekämpfen wird - ähnlich dem Verein «Verrückt das Viadükt», der sich im Kreis 5 erfolgreich gegen den Ausbau des Bahnviadukts gewehrt hat. Werner: «In Notsituationen steht der Kreis 5 zusammen.»
Freude und Ärger in Wipkingen
Wipkingen leidet seit Jahrzehnten unter der Rosengartenstrasse, die täglich von 70 000 Autos befahren wird. Verständlich also, dass sich der Quartierverein zunächst darüber freut, dass die Quasiautobahn nun zur Quartierstrasse abklassiert werden soll. Ganz glaubt er den Erklärungen von Kantons- und Stadtregierung allerdings noch nicht und verlangt, dass in einem künftigen Ausführungsprojekt die Abklassierung zwingend verankert wird.
In seiner Mitteilung bedauert der Quartierverein, dass die Hardbrücke nicht ganz abgebrochen werden soll. Diese Verbesserung wäre der Bevölkerung in den Kreisen 4 und 5 zu gönnen gewesen, schreibt der Verein. Er befürchtet zudem, dass mit dem Verkehrskonzept noch mehr Verkehr in die Stadt gebracht wird. Flankierende Massnahmen seien also zwingend.
Dies ist auch der Punkt, der die IG Westtangente Plus zu einer negativen Stellungnahme zum Verkehrskonzept führt: «Natürlich wäre es schön, die Rosengartenstrasse abzuklassieren», sagt IG-Sprecherin Ines Schlienger. «Aber es wäre unverantwortlich, all den Verkehr in andere Quartiere umzuleiten». Man müsse doch verkehrspolitisch über die eigene Nasenspitze hinausschauen. Vor allem die Kreise 4 und 5 würden durch das neue Verkehrssystem massiv mehr belastet. Sie glaubt, dass der Stadttunnel kaum je realisiert werden könne, das verbreiterte Sihlquai allerdings schon. Dieses werde dann zusätzlichen Verkehr in die Innenstadt schaufeln. Überhaupt hat Schlienger den Verdacht, dass es bei der Abklassierung der Rosengartenstrasse hauptsächlich darum gehe, die Hardbrücke frei zu machen für den ungehemmten Rampenverkehr Richtung Innenstadt. Die IG habe Ja gesagt zum Waidhaldentunnel, aber nur unter der Voraussetzung, dass die Hardbrücke abgebrochen werde.
Der Quartierverein Aussersihl-Hard (Kreis 4) sieht die ganze Sache deutlich positiver, macht aber ein paar Vorschläge für Projektänderungen. Grundsätzlich sei es erfreulich, dass Stadt und Kanton nun ein übergeordnetes Verkehrskonzept hätten. Sihlquai- und Stadttunnel könnten die Kreis 3, 4 und 9 sicher etwas entlasten. Allerdings könne man sich fragen, ob der Sihlquaitunnel nicht bis zum Hardturm verlängert werden sollte. Schlecht findet Quartiervereinspräsident Max Künzig die Lösung, den Waidhaldentunnel als gedeckte Brücke in den Kreis 5 hineinzuziehen. Und «verheerend» findet er es, den Waidhaldentunnel über die Duttweilerbrücke bis in den Bereich Letzi zu verlängern. Der Verkehr müsste vielmehr Richtung Hardturm geleitet werden.
Tages-Anzeiger, 5.4.2005
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