Soziale Stadt: 300 Beispiele online
Das deutsche Bund-Länder-Programm «Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - die soziale Stadt- unterstützt und begleitet lokale Initiativen zur Verbesserung der Lebensqualität in deutschen Städten. Die Projektdatenbank, auf dem Internet öffentlich zugänglich, versammelt 300 kleine und grosse Beispiele für eine soziale Stadtentwicklung.
Im Jahr 2000 haben die Bundesrepublik und die deutschen Bundesländer die Städtebauförderung um das Programm «Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - die soziale Stadt» ergänzt. Grund dafür war die Sorge um die wachsende soziale und räumliche Polarisierung in den Städten. Ziel des Programms ist eine zukunftsfähige Entwicklung der Städte.
Das Deutsche Institut für Urbanistik, Berlin (Difu), koordiniert das Programm für eine umfassende und integrierte Stadtentwicklung. Förderungsprogramme werden ressort- und ämterübergreifend kombiniert, auch nicht investive Massnahmen berücksichtigt, die Quartierbewohner werden mit einbezogen und neue Verwaltungs- und Managementstrukturen erprobt. Quartierbevölkerung, lokale Behörden, Institutionen und wirtschaftliche Akteure sollen aktiv zusammenarbeiten.
Kleine Projekte, grosser Nutzen
Die meisten der rund 300 Projekte sind klein. Sie reichen von Schülertreffs bis zum 38 Hektaren grossen neuen Stadtteil Vauban in Freiburg. Doch die Erwartungen ans Programm sind gross. Von den Massnahmen sollen soziale, wirtschaftliche und kulturelle Impulse auf die Stadtteile ausgehen. Dabei sollen das vor Ort vorhandene Potenzial und Know-how genutzt und gestärkt und Eigenverantwortung und Selbstverwaltung der Quartierbevölkerung gefördert werden. Ziele sind etwa eine soziale Durchmischung und Stabilisierung von Quartieren, eine Verbesserung der Beschäftigungslage z. B. durch Unternehmensgründungen, Reduktionen von Verkehr und Energieverbrauch oder Begrünungen und Renaturierungen. Auf der kulturellen Ebene sollen Quartieridentitäten gestärkt und nachbarschaftliches Zusammenleben durch kollektive Aktivitäten, Selbst- und Nachbarschaftshilfe oder Gemeinschaftsräume verbessert werden.
Von partizipativen Modellen bei Wohnbauprojekten und der Modernisierung von Infrastruktur und Wohnumfeld erwartet man städtebauliche Impulse. Schliesslich werden politisch-administrative Impulse erwartet, etwa bei der Koordination der politischen Ressorts in gebietsorientierten Einsätzen, bei der Bündelung investiver und nicht investiver Massnahmen oder für eine Stärkung des Föderalismus auf Quartierebene.
Programmbegleitung durch das Deutsche Institut für Urbanistik Das Deutsche Institut für Urbanistik hat die Programmbegleitung übernommen. Es dient als überregionale Vermittlungs-, Informations- und Beratungsagentur, ist Ansprechpartner für alle beteiligten Personen, Initiativen und Institutionen und dokumentiert die Fortschritte des Programms mit Kongressen und Publikationen. Es vermittelt in Modellgebieten Informationen und Erfahrungen vor Ort, initiiert und unterstützt lokale Aktionen und macht Öffentlichkeitsarbeit.
Öffentliche Datenbank mit 300 Stadtteilprojekten
Das Internet-Forum unter www.sozialestadt.de hält als allgemein zugängliches Informations- und Diskussions-Netzwerk auch für Aussenstehende eine Fülle von Grundlagen, Erfahrungen, Veranstaltungshinweisen und Links bereit, darunter namentlich die Datenbank der konkreten Stadtteilprojekte. Bei den rund 300 Programmgebieten in 214 Gemeinden handelt es sich in der Regel um hoch verdichtete, einwohnerstarke Stadtteile, die in ihrer Sozialstruktur, dem baulichen Zustand, dem Arbeitsplatzangebot, Ausbildungsniveau, Ausstattung mit sozialer und kultureller Infrastruktur sowie der Qualität von Wohnungen, Wohnumfeld und Umwelt erhebliche Defizite aufweisen. Im Wesentlichen lassen sich dabei innerstädtische (Altbau-)Quartiere und meist am Stadtrand gelegene Grosssiedlungen aus der Nachkriegszeit unterscheiden. Die Projektdatenbank dokumentiert bereits realisierte, nachahmenswerte Projekte. Sie enthält auch direkte Links zu den Projektverantwortlichen. «Good Practice»-Analysen zu ausgewählten Themen wie Stadtteilmanagement, Ressourcenbündelung oder Bürgeraktivierung werden noch hinzukommen. Die grosse, aber übersichtliche Website ist eine Fundgrube für Stadtplaner - oder Quartierbewohner -, die sich mit städtischer Lebensqualität befassen und von den deutschen Erfahrungen mit partizipativen Verfahren profitieren wollen.
Tec 21 Nr. 19, 2003
http://www.sozialestadt.de
|